Was einst als reines Hobbyprojekt zweier Google-Mitarbeiter begann, entwickelte sich zum meistverkauften VR-Headset der Welt. Der Grund für diesen Erfolg ist mehr als nur der Kaufpreis, das einfache, aber ausgeklügelte Design hat schon viele Unternehmen dazu inspiriert, ihre eigene Version auf den Markt zu bringen. Nach zehn Millionen verkauften Exemplaren der Google Cardboards und einer Vielzahl von anderen Exemplaren ist es an der Zeit, in die Geschichte dieses VR-Headsets einzutauchen und die Bedeutung dieses Pappenstücks in der aktuellen Virtual Reality Industrie zu bestimmen.

Was ist ein Google Cardboard?

Der Google Cardboard ist eine Faltplatte aus Pappe. Nach dem Falten können Sie ein Standard-Smartphone in diesen Halter einstecken. Der Smartphone-Bildschirm fungiert als Bildschirm, wobei das Bild für ein 3D-Erlebnis in zwei Teile aufgeteilt wird. Die Faltplatte wird mit zwei Kunststofflinsen, oft mit mehreren Klettverschlüssen und manchmal mit einem einfachen Stirnband geliefert. Die erste Version enthielt keinen Knopf, die Steuerung war nur über Kopfbewegungen möglich. Der Nachfolger hatte einen “kapazitiven” Knopf, der etwas mehr Interaktionsmöglichkeiten bietet. Auch wenn Google das Cardboard auf den Markt gebracht hat, funktioniert es auch mit anderen Marken und Systemen wie dem Apple iPhone.

Technik ohne Technologie

Ein Smartphone ist tatsächlich ein kompletter Computer im Taschenformat. Moderne Smartphones verfügen über ein gestochen scharfes Display, das für Interaktionen berührt werden kann, einen schnellen Prozessor zur Verarbeitung von Daten, eine große Speicherkapazität und die Fähigkeit, neue Software zu betreiben. Schließlich, und für Virtual Reality, die vielleicht die wichtigste Funktion, ist das Gyroskop, mit dem das Smartphone, die Bewegungen in der Software genau aufzeichnet. Mit einem einfachen Stück Pappe mit zwei Kunststofflinsen lässt sich daher ein (ziemlich) überzeugendes VR-Erlebnis erzeugen.

Das Entstehen von Google Cardboard

Vor langer Zeit, am 24. Juni 2014, erregte das Google Cardboard zum ersten Mal die Aufmerksamkeit. Davis Coz und Damien Henry arbeiteten für Google und entwickelten während ihrer 20-prozentigen Innovationszeit”, die Google-Mitarbeiter erhalten, ein VR-Headset auf Basis eines Smartphones. Google fand es ein nettes Gadget und verschenkte es an die Besucher während der Google I/O Entwicklungskonferenz. Mit einem SDK war es möglich, neue Cardboard Apps zu entwickeln. Etwas mehr als drei Jahre später waren bereits über 10 Millionen Exemplare verkauft und 160 Millionen Cardboard-Apps heruntergeladen worden.

Kreative Anwendungen von Google Cardboard

Das Google Cardboard hat sich nicht nur als Erfolg für Google erwiesen, viele Unternehmen haben ihre eigene Version herausgebracht, oft um eine Marke, ein Produkt oder eine Dienstleistung zu promoten. Sowohl bei der Form des Cardboard Halters als auch bei der Entwicklung von Apps werden die Grenzen dieses einfachen Papp-Halters bestens ausgenutzt.

Recycling von Material

Man kann Pappe ins Altpapier werfen, aber man kann sich auch eine andere Anwendung dafür ausdenken. Unternehmen wie McDonald’ s, Budweiser Bier und Coca Cola haben Pappenverpackungen hergestellt, die in einen Cardboard Halter verwandelt werden können. Dies ist nicht nur eine umweltbewusste Art der Wiederverwendung von Pappe, sondern auch eine clevere Möglichkeit, um Marken Branding ein zweites Leben zu geben. Der Budweiser Halter kann sogar für die Aufbewahrung einiger Dosen Bier verwendet werden.

Luxus “Kartonhalter

Der ursprüngliche Google Cardboard Halter hatte einen Kaufpreis von 20 Dollar. Das ist viel billiger, als ein Oculus Rift oder ein HTC Vive, andererseits ist es für ein Stück Pappe mit zwei Kunststofflinsen trotzdem recht teuer. Andere Hersteller lassen mittlerweile auch Cardboards für ein paar Euro produzieren. Um das VR-Erlebnis auf ein höheres Niveau zu heben, werden zusätzlich auch stabile Kunststoffbehälter vermarktet, zum Beispiel mit hochwertigen Linsen und einem robusten Stirnband. Diese VR Brillen variieren im Preis zwischen ca. 10 Euro und 100 Euro. Alle Apps bleiben für Android- und Apple-Geräte gleich. Eine Ausnahme bildet das Gear VR von Samsung, dieser luxuriöse Smartphone-Halter bietet eine höhere Qualität, man benötigt jedoch ein teureres Samsung-Gerät und eine spezielle Oculus-Software.

Effektives Marketing

Beinahe jeder hat ein Smartphone, was bedeutet, dass praktisch sich jeder die Virtual Reality ansehen kann, wenn er einen Cardboard Halter hat. Wenn Sie einen Halter mit einem Markennamen oder einem anderen erkennbaren Aufdruck Google Cardboard drucken lassen, haben Sie ein starkes Marketinginstrument in der Hand, ein wiederverwendbares Produkt, das nicht leicht im Altpapier landet. In Kombination mit einer Anwendung, einem 360-Grad-Video oder einer virtuellen Tour bieten Sie Ihren (potenziellen) Kunden ein effektives Werbemittel. Dies hat das bescheidene Google Cardboard zum meistverwendeten Virtual Reality-Headset der Welt gemacht, die Perfektion legt in der Schlichtheit.