Google Cardboard. Der Schlag unter die Gürtellinie aller Unternehmen, mit Bezug zur virtuellen Realität. Ein einfaches Kartonbaupaket, das Sie selbst zusammenbauen. Mehr als ein paar Stücke Karton, zwei Linsen und etwas Klettverschluss ist das Google Cardboard nicht. Allerdings bietet es eine sehr gute Erfahrung zu einem niedrigen Preis. Aber wie toll ist Google Karton wirklich, ist es ein echter Konkurrent oder einfach nur ein aus der Hand gelaufener Scherz?

Google Card…was?

Der Name sagt alles, Google Cardboard ist eine Virtual-Reality-Brille aus Pappe. Das Selbstbaupaket  wurde kostenlos im vergangenen Jahr während der Google IO Veranstaltung verschenkt. Zu diesem Zeitpunkt wurde das Gerät mit Gelächter empfangen. Wie kann eine solche billige und einfache Vorrichtung eine coole Erfahrung mit virtueller Realität ermöglichen? Es schien wie ein Scherz von Google, bis die ersten Bewertungen erschienen. Google Cardboard bietet Ihnen eine hervorragende Einstiegserfahrung für einen sehr niedrigen Preis, sodass Sie Virtual Reality kennenlernen können.

Google Cardboard; vom Hobbyprojekt zum…?

Google Cardboard entstand als sogenanntes 20% Projekt innerhalb von Google. 20% Projekte, sind Projekte, an denen Google-Mitarbeiter in ihrer „freien Zeit“ arbeiten. Achtzig Prozent der Zeit wird mit normalen Aktivitäten verbracht und die verbleibende Zeit mit Projekten wie dem Google Cardboard. Heute ist es jedoch ein 100% Projekt, was zeigt, dass der Suchriese das virtuelle Licht gesehen hat.

Ich bin gespannt, auf welche Weise Google sich in das virtuelle Schlachtfeld einmengen wird. Die Einführung einer Plattform wie YouTube für virtuelle Realität scheint auf jeden Fall vor der Hand liegend. Das habe ich bereits in meinen Prognosen, mit Bezug zu virtueller Realität, für das Jahr 2015 vorausgesagt.

Hoe werkt Google Cardboard

Die Idee ist genauso einfach wie genial. Alles, was man im Prinzip für eine Erfahrung  in der virtuellen Realität braucht, sind spezielle Linsen, die für ein breites Blickfeld sorgen. Zusätzlich benötigt man einen Apparat, der zwei selbstständige  Bilder anzeigen und auch Bewegungen registrieren kann.

In einem hochwertigen Smartphone, sind all diese Gegebenheiten vorhanden. Zwei einzelne  Bilder können problemlos auf einem 5-Zoll-Bildschirm angezeigt werden und das im Smartphone eingebaute Gyroskop registriert Bewegung. Alles, was Sie für VR brauchen, ist also vorhanden!

Nachdem Sie das Google Cardboard zusammengefaltet haben Sie, brauchen Sie nur noch Ihr Smartphone in den Halter zu setzen und „Voila!“ Sie haben eine hausgemachte Virtual-Reality-Brille. Die Anwesenheit eines Magneten an der Seite, hat sich  als brillant herausgestellt. Das Smartphone, registriert  das Magnetfeld und sobald Sie den Magneten bewegen,  „klicken“ können Sie etwas innerhalb einer App an.

Dieses Prinzip kann vertraut wirken, da es genau das gleiche System ist, was auch bei Samsung Gear VR verwendet wird. Ersetzen Sie das Gehäuse aus Karton, durch eines aus Kunststoff und legen Sie ein Samsung Note 4 hinein,  dann haben ein Gear VR Headset.

Dies ist einer der Gründe, warum ich selbst Gear VR als ein minderwertiges Produkt empfinde. Man bezahlt viel Geld für nur ein Gehäuse und ein Set von Linsen. Dafür 150 Euro zu bezahlen, ist eigentlich bekloppt … Wie auch immer, wir werden nun  unsere Aufmerksamkeit wieder aufs Cardboard verlegen. (Siehe auch

Anwendungen und Inhalte

Fast gleichzeitig mit dem Aufkommen der Google Cardboards wurde eine Virtual-Reality-Anwendung mit dem „auffälligen“ Namen Cardboard App lanciert. Diese Anwendung enthält verschiedene VR Inhalte für eine angenehme Einführung in die VR. So können Sie einen virtuellen Rundgang mit dem Tour Guide machen oder herumfliegen in Google Earth.

Die Wiedergabe von YouTube Videos ist auch möglich und die Anwendung enthält auch eine kurze Animation namens „Windy Day“. Allerdings bieten diese Anwendungen keinen lang andauernden virtuellen Spaß. Ich selbst, habe mich dabei relativ schnell gelangweilt und wollte meine Rift zurück.

Natürlich ist Google nicht die einzige Partei, die Inhalte für Cardboards liefert. So ist es auch möglich, um Inhalte von Jaunt VR mit dem Cardboard wiederzugeben. Die Trailer der 360 Grad Videos, die ich in früheren Artikeln bereits besprochen habe, sind auch für Google Cardboard geeignet.

Allerdings bedeutet dies, dass Sie eine Menge MB verbrauchen und das die Trailer weniger beeindruckend sind, als wenn sie mit dem Oculus Rift wiedergegeben werden. Andere Entwickler, haben auch noch mehr Anwendungen fürs Cardboard entwickelt. So kann man bisher in einer Achterbahn fahren, tauchen oder mit der App „Hanglider“ in die Höhe aufsteigen.

Cardboard SDK

Google investiert immer noch ernsthaft in virtuelle Realität und als sie ein Software Entwicklungs-Kit für Android und Unity herausbrachten, wurde das nur verdeutlicht. Mit diesen Entwicklungs-Kits kann jeder damit anfangen, seine eigenen Inhalte für Google Cardboard zu entwickeln.

Diese Anwendungen funktionieren nicht nur mit in Kombination mit dem Cardboard, sie sind auch für alle Android-Geräte geeignet. Die Entwicklung von Anwendungen für das Samsung Gear VR ist innerhalb von SDK auch möglich. Seit der Veröffentlichung von Cardboard SDK, wurden mehr Anwendungen von Drittanbietern veröffentlicht, die das Potenzial des Cardboards zeigen.

Ein Cardboard für jedermann

Google spielt seine Karten wie immer klug aus. Die Spezifikationen und der Entwurf von Google Cardboard sind frei für Öffentlichkeit zugänglich. Google hat auch eine umfassende Anleitung veröffentlicht, mit der  jeder ein Google Cardboard entwickeln kann. Das komplette Informationsmaterial zu den Werkzeugen und Bau-Tipps stehen kostenlos und frei zur Verfügung. Diese Tatsache, hat dafür gesorgt, dass mittlerweile viele Parteien entstanden sind, die Google Cardboards verkaufen.

Die Unterschiede in Qualität (und Preis) sind allerdings doch relativ groß. Die wichtigsten Verkäufer verkaufen die Cardboards für  etwa 20 Euro, während die Materialkosten nur einen Bruchteil dieses Betrages ausmachen. In meiner Beurteilung von Google Cardboard (die ich bald veröffentliche) werde ich noch weiter auf die Cardboards von  Google und die verschiedenen Imitationen, die auf dem Markt sind, eingehen.

Ein Google Cardboard anschaffen?

Möchten Sie die virtuelle  Realität kennenlernen  oder einfach ein  tolles  Gadget haben, um Freunden oder Kollegen zu zeigen? Dann ist das Google Cardboard fürs iPhone ein guter Einstiegspunkt. Kompakt, preisgünstig und es liefert eine sehr beeindruckende Erfahrung, für ein Stück Pappe. Google hat außerdem angekündigt, dass sie weiterhin in die virtuelle Realität investieren werden.

Ich persönlich denke daher, dass es nicht mehr  lange dauern wird, bis das Unternehmen eine  „echte“ VR Brille bedrucken auf den Markt bringt. Wenn es eine ebenso clevere und kostengünstige Initiative wie das Google Cardboard ist, erwarte ich, dass Google, auch im Bereich der  VR, schnell große Fortschritte machen wird.